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Donnerstag, 03. April  2008


Wie aus Leiden wieder Leben wird

(ib) Die Palliativmedizin widmet sich der Behandlung und Begleitung von Patienten mit einer nicht heilbaren und weit fortgeschrittenen Erkrankung mit begrenzter Lebenserwartung.


Foto: Inge von den Bruck

Die Palliativmedizin bejaht das Leben und sieht das Sterben als einen natürlichen Prozess.

Durch den onkologischen Schwerpunkt („Krebsmedizin“) des Krankenhauses Nettetal stieg die Zahl der schwer kranken Patienten in den letzten Jahren an. Beispiel: Viele Tumorpatienten leiden in fortgeschrittenen Krankheitsstadien unter Schmerzen, Müdigkeit, Schwäche und anderen Symptomen. Diese Beschwerden können so belastend sein, dass das Leben unerträglich scheint. Mit Medikamenten, physikalischen Maßnahmen und anderen Therapien werden diese Beschwerden oft soweit gelindert, dass der Patient nicht nur das Leiden erlebt, sondern das Leben wieder als lebenswert empfindet.

Aus diesem Grund gründete sich vor vier Jahren das Palliativteam am Nettetaler Krankenhaus. „Die Palliativmedizin bietet dem Patienten eine Menge an Verbesserungen“, sagte Dr. Michael Pauw, leitender Chefarzt des Krankenhauses. „Sie wendet sich von der Heilung mehr der Lebensqualität zu und berücksichtigt auch die Angehörigen“, ergänzte Dr. Elsbeth Steinfort, Internistin und Palliativmedizinerin sowie Leiterin des fachübergreifenden Teams. „Man entwickelt im Laufe der Zeit einen anderen Blickwinkel für die Patienten“, beschrieb Monika Rausch, leitende Krankenschwester und Fachschwester für Palliativ-Care, die mit Schwester Gertrud Bollessen, Fachschwester für Anästhesie, Intensivmedizin und Palliativ Care, eine zusätzliche Ausbildung geleistet hat und den pflegerischen Part im Team übernommen hat.

Die Palliativmedizin behandelt die körperlichen Symptome sowie die psychologischen, sozialen und spirituellen Probleme der Patienten und ihrer Angehörigen. Wichtig ist dabei, die unterschiedlichen Erfahrungen und Schwerpunkte von Ärzten, Pflegepersonal, Physiotherapeuten und Seelsorgern gelten zu lassen und daraus gemeinsam mit dem Patienten ein individuelles Behandlungsziel zu finden. „Ziel ist, die Patienten wieder in ihre heimische Umgebung zu entlassen“, ergänzte Dr. Jochen Post, Internist und Facharzt für Transfusionstherapie.

Neben den hauptamtlichen Mitarbeitern ist die Einbindung von Ehrenamtlern wichtig. Um hier weitere Ansätze zu finden und das Angebot zu erweitern, veranstaltet das Palliativteam am Samstag, 19. April, von 12 Uhr bis 16 Uhr den ersten Nettetaler Palliativ- und Hospiztag im Rathaus.

Ihr Kommen zugesagt haben über 20 Verbände, Pflegedienste, Pflegeeinrichtungen, Hospizinitiativen, aber auch Sanitätshäuser, Apotheken und eine Buchhandlung, die ebenso die Hemmschwelle zur Palliativmedizin nehmen will. „Es gibt viele Angeboten im Bereich der Palliativmedizin, man muss sie nur bündeln“, so der leitende Chefarzt. Am Aktionstag sollen Fragen von Angehörigen rund um die therapeutischen Möglichkeiten beantwortet werden. In Vorträgen erfährt der Besucher mehr über die Aspekte in der Pflege, der Ernährung, der Schmerztherapie, aber auch über die Vorsorgevollmacht. Schwester Patricia, Krankenhaus-Seelsorgerin, wird über die Sterbe- und Trauerbegleitung sprechen. Der Chefarzt wünscht sich für die Zukunft kleine, abgeschlossene Einheiten mit Palliativbetten und einer kleinen Kaffeeküche für die Angehörigen.

Das komplette Programm wird in Kürze in den GN ausführlich vorgestellt.


Jugend sucht sich ihre Räume


Zweite Streetworkerstelle notwendig /
Verantwortung der Eltern eingefordert

Von Daniela Veugelers

Nein, über ein eigenes Jugendamt wollte die SPD Nettetal nicht mit seinen Gästen am Dienstag diskutieren. Vielmehr war das Thema des Abends die „Jugend in Nettetal". Da dies ein weites Themenfeld sei „und jeder sich dazu befähigt fühlt, etwas zu sagen, da er selber mal jung war", wie Moderator Hans Kettler feststellte, hatte man sich fundierte Gesprächspartner eingeladen.

Von den Möglichkeiten und Grenzen der mobilen Jugendarbeit berichtete Streetworkerin Marie-Luise Hellekamps. Sie stellt in ihrer Arbeit immer wieder fest, „die Jugendlichen suchen sich ihre Räume draußen selber - bei jedem Wetter."

Dabei würden die Kinder immer jünger. „Ich bin originär für Jugendliche zwischen 14 und 27 Jähren zuständig, aber immer öfter treffe ich schon Elfjährige auf der Straße", so die Fachfrau. Zu beobachten sei dies auch beim Soccer-Turnier gewesen, wo am späten Abend noch Zehn- und Elfjährige anwesend waren. „In solchen Situationen frage ich mich als Mutter, wo sind hier die Eltern? Ich kann nur die Eltern auffordern, übernehmt Verantwortung für Eure Kinder"

Die Suche nach Aufenthaltsmöglichkeiten führe aber immer wieder zu Problemen, da die Jugendlichen oftmals von den Erwachsenen stigmatisiert würden. Ein gutes Beispiel dafür seien die „Vorfälle" im Kreuzgarten. Da es nur wenige Räume gäbe, die man zum Geburtstag feiern mieten könne und das Feiern zu Hause vielfach nicht möglich sei, „verlegen die Jugendlichen die Feiern einfach ins Freie". Verständnis zeigte sie aber auch für genervte Anwohner, die sich durch Lärm belästigt fühlten. Jugendliche sehnten sich nach Vorschriften und Strukturen, daher sei es wichtig, ständig im Gespräch zu bleiben. In den vergangenen Jahren sei der Bedarf an Einzelfallhilfen klar gestiegen. „Zu mir kommen Jugendliche, die sonst nirgendwo mehr ankommen können oder wollen". Dann müsse Jugendarbeit auch ein Teil Reparationsarbeit leisten. Die sei jedoch auch die Aufgabe der Gesellschaft: „Wir dürfen unsere Kinder nicht im Stich lassen, selbst wenn sie keine Hilfe wollen", forderte Hellekamps.

Die traditionelle Jugendarbeit der vier Nettetaler Jugendheime setzt auf kontinuierliche Angebote für verschiedene Altersklassen. Dabei variierten die Angebote von Stadtteil zu Stadtteil", erläuterte die Sozialpädagogin Elli Jongmanns. Jedoch seien die Öffnungszeiten begrenzt „und deshalb sind wir froh, dass es die Streetwork gibt". Eine Ausweitung um einen zweiten, männlichen Streetworker sei deshalb sehr wünschenswert.

Für den Kreissportbund erläuterte Ulrike Dahms das von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung initiierte Projekt „Gut drauf", dass sich neben der Bewegung zudem die Entspannung und gesunde Ernährung fördere.

Hintergrund des Projektes sind erschreckende Zahlen: Ein Drittel aller Jugendlichen leidet unter Allergien sowie psychosomatischen Erkrankungen wie Kopfschmerzen oder Konzentrationsschwäche. Über die Hälfte fühlt sich gestresst oder überfordert und 15 Prozent ist zu dick, davon sogar sechs Prozent fettleibig. „Gut drauf" richte sich dabei vornehmlich an Sportvereine, denen aber im Breitensport das große Angebot für Jugendliche fehle. Ziel ihrer Arbeit sei vor allem die Verknüpfung zwischen Sportvereinen und den Jugendheimen. Eine Einladung zum 14. Soccer-Turnier wurde spontan ausgesprochen. Helmut Krumscheid vom VfL Hinsbeck stellte in kurzen Zügen die Idee des Schüler-Triathlons vor, der am 17. Mai seine zweite Auflage findet. Ziel ist es, die bisher fehlende Jugendabteilung durch die Aktivierung der örtlichen Grundschüler sukzessive aufzubauen. „Die bisherige Zustimmung gibt uns recht, dass wir auf dem richtigen Weg sind", so Krumscheid.

Zum zweiten großen Themenkomplex des Abends, der Jugendarbeitslosigkeit in Nettetal, lieferte Ramon Grahl, Teamleiter der unter 25-Jährigen-Betreuung in der ARGE Kreis Viersen, harte Fakten: In Nettetal leben 161 arbeitslose Jugendliche, die Hartz IV bezie-

hen. Die Arbeitslosenquote von 5,9 Prozent für den Bezirk Nettetal und Brüggen liegt im kreisweiten Durchschnitt. Pro-

blematisch bei der Arbeitsvermittlung seien überwiegend die fehlenden Ziele der Jugendlichen. Durch die neue Gesetzeslage arbeite man sehr intensiv an und mit den Jugendlichen, denn „in manchen Fällen müssen wir die Jugendlichen erst durch sozialpädagogisch betreute Ein-Euro-Jobs für die Arbeitswelt vorbereiten", so Grahl. Der Anteil der problembehafteten Jugendlichen nehme nicht nur im Kreis, sondern allgemein zu.

Auch die Jugendberufshelferin Susanne Hermes arbeitet im Spannungsfeld „frustrierte Jugendliche", die keinen Ausbildungsplatz fänden und Unternehmen, die über nicht ausbildungsfähige Jugendliche klagten. Ein Problem sei vor allern der Wegfall von Einfachausbildungen. Daher sei die frühe Auswahl eines Berufswunsches mit begleitender Qualifizierung umso wichtiger.

Abschließend berichtete der Erste Beigeordnete Armin Schönfelder über die im Wesentlichen finanzielle Unterstützung der Verwaltung von Jugendheimen, Gemeinwesenarbeit, Schulen und Sporthallen. Im Bezug auf die Ausbildung bei der Stadt monierte die SPD ein zu geringes Engagement, das Schönfelder entschieden zurückwies. Die Erkenntnisse des Abends will die SPD weiter diskutieren und eventuell in Anträgen münden lassen.

Immer öfter suchen sich Jugendliche ihre Räume, wo sie 'sich aufhalten können, im Freien.
Nicht nur wie hier, um auf den Bus nach Hause zu warten. Foto: Frank Hohnen


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