historische kirchliche Organisationen

GdG Nettetal (katholisch, 2005-2025)

"Gemeinschaft der Gemeinden in Nettetal*"

*Ausnahme: die zu politisch zu Lobberich gehörende Sektion  Link Rennekoven - sie gehört zu St. Maria - Hilfe der Christen in Dornbusch

Archivelink gdg-nettetal.de vom September 2025 im Internet-Archiv


Die "GdG" wurde als Gemeinschaft selbstständiger katholischer Pfarrgemeinden auf dem Gebiet der Stadt Nettetal gegründet.
Nach dem Schritt für Schritt vollzogenen Abbau von Mitbestimmungsmöglichkeiten (Auflösung von Pfarrgemeinderäten) durch den Bischof übernahm die GdG und ihr GdG-Rat zunehmend Pfarraufgaben.
Schon 20 Jahre später - mit Ablauf des 31.12. 2025 - wurde das Experiment "GdG" zu Gunsten einer gemeinsamen Pfarre beendet.

Rückblick:

Die Gemeinden des größten Teils der Kommune Nettetal haben im Jahre 2005 eine "GdG" gegründet.
Diese bestand bis 2025.

In dieser GdG (=Gemeinschaft der Gemeinden) Nettetal behielten die Pfarrgemeinden zunächst ihre vollen seelsorgerischen Rechte und Pflichten. Der Pfarrgemeinderat St. Sebastian, Lobberich hatte darauf und auf den Bestand der Weggemeinschaft mit Hinsbeck bei den Verhandlungen Wert gelegt, und einer solchen Satzung am 22. Februar 2005 zugestimmt.

In der Präambel des Vertrages hieß es:

Die Gemeinschaft der Gemeinden Nettetal ist ein Zusammenschluss rechtlich selbständig bleibender benachbarter Pfarrgemeinden zur Koordination und verbindlichen Form der Kooperation der Pastoral durch wechselseitige Anregung, gemeinsame Planung und gegenseitige Hilfe. Das Bestreben der Gemeinschaft ist nicht, die Aktivitäten der beteiligten Gemeinden zu beschränken und sie in ihrer Selbständigkeit zu beeinträchtigen.Die Gemeinden wissen um ihre Identität, ihre Eigenständigkeit und die bisher in Teilen praktizierten Weggemeinschaften.

Das war also 2005.

Selbstständige Gemeinden?

im November 2013 hat der Bischof die vor Ort gewählten Pfarrgemeinderäte aufgelöst und das zunächst "koordinierende" Gremium "GdG - Rat" aufgewertet.

Im November 2013 endete die Epoche der Pfarrgemeinderäte im Bistum Aachen. In bald vierzig Jahren haben Pfarrgemeinderäte das Gesicht der Kirche in der Pfarrei erfolgreich geprägt. Die bewährte Praxis der Pfarrgemeinderatsarbeit vergangener Jahre findet nunmehr in den GdG-Räten eine neue Form der Leitungsverantwortung für die veränderte Gestalt der Kirche am Ort.

(gdg-nettetal.de, abgerufen 13. Januar 2025)

"Veränderte Gestalt der Kirche am Ort"?? Nun: dies wurde in 80 km Entfernung, in Aachen so attestiert, nicht "am Ort" selber.

"Bewährte Praxis in neuer Form"? Fakt ist: in den GdG - Rat wählt die Lobbericher Gemeinde genau zwei Vertreter*innen. (FunFact am Rande: Ähnlich viele Gläubige wie Lobberich hatte die "Weggemeinschaft Schaag, Breyell, Leutherheide". Diese hatte nur noch einen Pfarrgemeinderat, aber - da formal aus drei Pfarreien bestehend - fünf Stimmen im GdG-Rat.)

Der Rest der um 20 Lobbericher*innen, die bislang im Pfarrgemeinderat Mitverantwortung für Gemeindeleitung hatten, wird seither also für die "bewährte Praxis der Pfarrgemeinderatsarbeit" nicht mehr benötigt. Für die Geschehnisse vor Ort kann der gemeinsame GdG-Rat noch - lediglich beratende - "Pfarreiräte" wählen lassen. Diese sind öffentlich kaum wahrgenommen worden.


Treffen auf kleinstem Nenner in der GdG Nettetal

Pfarrliche Strukturen werden seither Stück für Stück zerschlagen. Im Juni 2022 traf es den seit 50 Jahren in Lobberich bestehenden, vom damaligen Pfarrgemeinderat initiierten, Pfarrbrief - der bis zuletzt in 4.000er Auflage ehrenamtlich erstellt und von freiwilligen Helfer*nnen an katholische Haushalte verteilt wurde.
Sein Fehler: andere Gemeinden der GdG haben so etwas nicht oder verteilen es nicht an die Haushalte oder oder sie nennen es anders.

So war auf der Webseite der Pfarrgemeinde St. Sebastian http://st.sebastian.pfarre.net/ (abgerufen 25. Juni 2022) zu lesen:

"Es ist Zeit mit alten Traditionen zu brechen. Auf GdG-Ebene wurde beschlossen, dass es keine Publikationen mit unterschiedlichen Namen für Vergleichbares mehr gibt. Daher gibt es für alle Weggemeinschaften jeweils einen Pfarrbrief, der monatlich erscheint. Dieser ersetzt die Wocheninfo (Wochenzettel) in unserer Weggemeinschaft Lobberich-Hinsbeck. Der alte Lobbericher Pfarrbrief wird (...) eingestellt. Als Ersatz erscheint am 19.06.2022 dann auf GdG-Ebene das neue Magazin mit dem Titel "Gemeinsam", das auch nicht mehr an alle Haushalte verteilt wird, sondern nur noch an noch zu benennenden Orten ausgelegt wird."

Zur Erinnerung: "Das Bestreben der Gemeinschaft ist nicht, die Aktivitäten der beteiligten Gemeinden zu beschränken und sie in ihrer Selbständigkeit zu beeinträchtigen."


Wegfall gemeinschaftsstiftender Feiern auf Pfarrebene zu Gunsten des Angebotes auf GdG-Ebene.

Am Erntedanksonntag fallen die Gottesdienste in Lobberich weg. Zitat Monatsinfo "September 2022": "In einer der letzten Sitzungen des GdG Rates Nettetal wurde vereinbart, einen gemeinsamen Erntedankgottesdienst aller Pfarrgemeinden der GdG Nettetal zu feiern."

Die GdG hört zum 31.12.2025 auf zu bestehen.

Alle pfarrgemeindlichen Strukturen wurden zum 31. Dezember 2025 aufgelöst. Eine neue Pfarrei auf dem größten Teil des Nettetaler Gebietes wurde eingerichtet.

7 Pfarrgemeinden auf dem Gebiet der Kommune Nettetal und 4 Gemeinden auf dem Gebiet der Gemeinde Grefrath mit je eigenen, vor Ort tätigen Gremien für die Finanzverwaltung (Kirchenvorstände) und mit Teilhabe an der Gemeindeleitung (Pfarrgemeinderäte) bilden nun einen "pastoralen Raum Nettetal-Grefrath" mit zwei Pfarren und zwei Gremien: Ein Kirchenvorstand mit 14 Mitgliedern und ein Rat mit 12 Mitgliedern für Nettetal und Grefrath zusammen.
Das wird als "synodal" verkauft mit Hinweis auf die zwei (!) von diesem Rat gewählten Laien, die im Leitungsteam dieses Pastoralen Raumes mitwirken.
Geworben wurden "Kandidaten, die neue Formen der Vernetzung (...) entwickeln, damit unsere Gemeinden noch enger zusammenwachsen".

Von eigenständigen Strukturen, die für die Pfarrgemeinde St. Sebastian, Lobberich über 1000 Jahre vom ersten bis ins dritte Jahrtausend bestanden haben, ist innerhalb 20 Jahren nicht mehr die Rede.


Kommentar:

Die GdG Nettetal - der Name für den Abbau der selbstständigen Pfarrgemeinden auf dem Gebiet der Stadt Nettetal.

Oft werden Reformen im Bistum Aachen mit Geld- und Priestermangel begründet. Was den Geldmangel angeht, ist aus zuverlässigster Quelle bekannt, dass die Lobbericher Pfarrgemeinde - auch wegen der Neubaugebiete - keinen nennenswerten Rückgang von Kirchensteuermitteln verzeichnet hat. (Stand 2016)
Nun muss auf den Priestermangel natürlich eine Antwort gefunden werden.

Geistliche sollten sich hier auf ihre Berufung bzw. auf ihre Kernaufgaben wie Sakramentenspendung und Seelsorge konzentrieren können. Dafür müssen an anderer Stelle - logischerweise - andere Christ*innen, also "Laien" Verantwortung auf sich nehmen.
Was derzeit passiert, geht in die entgegengesetzte, und in meinen Augen falsche Richtung: Die Abschaffung von Strukturen der Mitverantwortung zeigt den in diesen Strukturen gerne tätigen Christen auf, welchen Stellenwert ihre Arbeit hat: Sie scheint - soweit es um Mitverantwortung geht - überflüssig.

Gefragt ist Zuarbeit. Schon die Formulierung von Flyern zur Werbung für rein ehrenamtliche Abeit (hier: Krippenweg) dürfen sie nicht selbst verantworten..
Lippenbekenntnisse von der Wertigkeit ehrenamtlicher Arbeit erreichen frustrierte Abgewiesenen nicht mehr. Es wird sich zeigen, ob in Zukunft genug Ehrenamtliche gewonnen werden können, die trotz geringer Möglichkeiten der Mitverantwortung weiter arbeiten werden, indem sie z.B. Krippen aufbauen. Prozessionen vorbereiten oder Hausmeisterdienste leisten.

Nur ein Beispiel (Wocheninfo und Pfarrbrief) Für ein monatlich erscheinendes Doppelblättchen für fast-ganz-Nettetal wurde ein ursprünglich wöchentlich für Lobberich erschienenes Infoblatt gleichen Umfangs aufgegeben; für 1.000 irgendwo auf 7 Gemeinden verteilte und dort lediglich ausgelegte "Magazine" wurde ein funktionierendes System mit 4.000 allein an Lobbericher Haushalte verteilte Pfarrbriefe aufgegeben, ausdrücklich, "weil es keine Publikationen mit unterschiedlichen Namen für Vergleichbares geben soll".
Eine solche als Fortschritt verkaufte Veränderung führt nicht zu einer Bessereung führt; aus meiner Sicht ist das dann eine Verschlechterung.

Wer aber Altes zerschlägt, ohne Neues mit Mehrwert zu schaffen, muss sich fragen, lassen, ob das Zerschlagen das eigentliche Ziel ist. Wer ehrenamtliches Engagement zerschlägt und dann die Ersatz-Aufgabe einem Pfarrsekretariat zu übertragen, muss sich fragen, ob es um Macht/Weisungsbefugnius geht.

Die Pfarre Lobberich besteht seit dem späten ersten Jahrtausend. Sie hat es als Pfarrgemeinde ins dritte Jahrtausend nach Christus geschafft. Sie hat den 30-jährigen Krieg, die Pest, Napoleons Anti-Kirchenpolitik, den Kulturkampf Bismarks und die Anfeindungen im Nationalsozialismus überstanden. Sie hat über 800 Jahre bestanden mit weit, weit(!) weniger Mitgliedern, mit weit, weit(!) weniger Geldmitteln als zum Zeitpunkt der mit Mitgliederschwund begründeten Auflösung.
Eine Kirche macht sich unglaubwürdig, wenn nicht lächerlich, wenn sie die verkündete Wahrheit von der gekreuzigten Liebe Gottes verknüpft an Leitungstraditionen (es müssen zölibatär lebende Männer sein) und an eine archische "top-down" - Struktur ohne sie kontrollierende Parlamente.
Dann haben einige jener Leitenden die Botschaft Jesu verraten und sich (Missbrauchsfälle) auf eine weitere Tradition des "unter-sich-Regelns" besonnen, statt jene Umkehr mit tätiger Reue zu leben, die sie predigen.
Verständnis der Mitglieder muss man dafür nicht erwarten; von Attraktivität für Außenstehende ganz zu schweigen.
Im Gegenteil: angezogen werden unsichere Persönlichkeiten, die eine starke Leitung brauchen.

Statt nun Strukturen vor Ort zu stärken warf der Bischof auf Empfehlung eines so genannten "Synodalkreis"es über 1000 Jahre Entscheiden und Handeln "vor Ort" auf dem Müll der Geschichte.
In der Kirche scheint es an Vertrauen zu fehlen, getauften Frauen und Männern die Leitung einer Pfarrgemeinde zu übertragen, lieber gibt man diese Gemeinden (als Kirche vor Ort) ganz auf - zu Gunsten größerer Kunstgebilde, die dann von den verbliebenen geistlichen Herren geleitet werden können.
Was für ein klerikales Denken!

Wie schwach zeigt sich der sonst bei jeder Gelegenheit beteuerte Glaube an das Wirken des Gottes in jeder/m Getauften..
.

Denn sie wissen nicht, was sie tun...
Die Kirchenvorstände, Pfarreiräte und der GdG-Rat haben "die erforderlichen (sic) Beschlüsse gefasst", die die eigene Aufhebung bedeuten. Haben sie auch etwas zu Beschließen gehabt? Die Webseite der GdG (abgerufen 24.9.25) jedenfalls verweist "für verbindliche Informationen auf die offiziellen Verlautbarungen des Bistum (sic) Aachen". Zur Sicherheit. In ureigener Sache hat man Angst, etwas Falsches zu berichten. Soll der Bischof sagen, was passiert. Deutlicher kann man nicht machen, wer Regie führt.

So wird es immer mehr gleich gültig, wo die Zusammenkünfte besucht werden, es wird gleich gültig, wo getauft, gefirmt, geheiratet wird. Gleichgültigkeit ist die Folge. Die Identifikation mit einer Gemeinde, einem Gotteshaus, möglicherweise auch die Identifikation mit der eigenen Gemeindeleitung und vieles Andere mehr wird systematisch vernichtet und dieses Zerstörungswerk noch theologisch als "Aufbruch" und "Gemeinsamkeit" in festlichen Gottesdiensten sakralisiert überhöht und mit feierlichen Gottesdiensten sakralisiert.

Um es biblisch zu sagen: Wir mögen alle im Weinberg des Herrn arbeiten, aber die verbliebenen Vorarbeiter mit Chef in Aachen treiben die Entfremdung von dieser Arbeit voran, um ihren Einfluss auf's Geschehen nicht zu verlieren.
Der Mensch, und sein (stets freiwilliges) Ehrenamt funktionieren aber ohne überschaubare Einheiten nicht.

Der letzte echte Pfarrgemeinderat hatte allein in Lobberich 16 gewählte Mitglieder, dazu wurden 4 Personen berufen: Damit hatten
20 Engagierte im Jahr 2005 "Teil an der Gemeindeleitung" der Pfarrgemeinde St. Sebastian, Lobberich.

In das neue Gremium, das in seinen Aufgaben dem alten Pfarrgemeinderat ähnelt, werden aus Breyell, Grefrath, Hinsbeck, Kaldenkirchen, Leuth, Leutherheide, Lobberich, Mülhausen, Schaag und Vinkrath zusammen insgesamt 12 Personen (...) entsandt.

Von zwanzig engagierten Laien im Jahr 2005 in einem Gremium, das "Teil an der Gemeindeleitung" hatte ist aktuell noch eine Person aus der ehemaligen Pfarrgemeinde St. Sebastian in Lobberich in einem Gremium, dass "soweit wie möglich" auch 'was entscheiden darf..
Die Aufgaben des Rates sind ansonsten:

Zusammenarbeit mit Priestern und pastoralen Mitarbeitenden, Austausch, Planung, Feststellung, wer als "Ort von Kirche" Geld bekommen kann, den pastoralen Raum in den Blick nehmen, Beratung, Information bekommen. Ausschüsse gründen. Archivlink gdg-nettetal.de/ueber-uns/#gdgrat - abgerufen 10. Januar 2026

Ein "Ernstnehmen von Laienengagement" kann ich in diesen Zahlen nicht erkennen. Man jammert über dessen Ausbleiben, das ja.

Zur Erinnerung: Laien waren es nicht, deren Verhalten die katholische Kirche in Misskredit gebracht haben.
In einer Situation, wo der Karren also bereits deutlich gegen die Wand fährt, geben die Verantwortlichen noch einmal richtig Gas.

Größere Strukturen bedeuten Verlust von Übersichtlichkeit. Im Livestream des "Gottesdienstes zur Gründung des Rates des pastoralen Raumes" war zu sehen, dass der Leiter des pastoralen Raumes bei der Vorstellung des Rates Probleme hatte, dessen 12 Mitglieder namentlich anzusprechen.

Am 10. Mai waren Wahlen zum Kirchenvorstand. Öffentliche Hinweise darauf im Voraus? Fehlanzeige!

Und der Zerfall geht weiter: auf Ortsebene fehlt zunehmend das Verantwortungsgefühl.
So waren für die Lobbericher Fronleichnamsprozession 2026 (die erste in Verantwortung der neuen Pfarre) keine Lektor*innen im Plan. Kann passieren.
Dummerweise fiel das erst während des Fronleichnamstages selbst auf.
Nun ja: Die Pfarrleitung residiert in Kaldenkirchen - ist eine Fronleichnamsprozession dort im Blick - bisher war das nicht nötig?

(RS. 06/2026)


Webseite der GdG Nettetal

Text des Vertrages zur Gründung der GdG Nettetal

Brief Bischof Mussinghoffs von Aachen (Juli 2003)

Brief des Bischofs (Oktober 2004)


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