Instandsetzung des Gotteshauses erfordert erhebliche Mittel
In den Verhältnissen, die auf die Wiederherstellung der unter Denkmalschutz
stehenden
alten gotischen Pfarrkirche in Lobberich von maßgeblichem
Einfluß sind, ist seit Januar 1955 ein wesentlicher Auftrieb zu
verzeichnen, Zu Beginn des Jahres hat die Diözese Aachen die Restaurierung
der Kirche in ihr eigenes Programm einbezogen, nachdem sich der Verwaltungsrat
dies Generalvikariats dazu entschlossen hatte, das alte Gotteshaus in Zukunft
wieder für kirchliche Zwecke in Benutzung zu nehmen. Es soll daran gedacht
sein, zur Entlastung der Pfarrkirche St. Sebastian ein Pfarrektorat einzurichten.
Der Landeskonservator, der den kunsthistorischen Wert des Bauwerkes ganz außerordentlich schätzt, hat die bisherigen Arbeiten am Turm .und Dach durch regelmäßige Zuschüsse ermöglicht, wozu im vergan:genen Jahr ein außerordentlicher Zuschuß in Höhe von 15 500 DM durch die Landesregierung gewährt wurde. Auch in diesem Jahr wurden aus dem Denkmalfonds wieder 10 000 DM in Aussicht gestellt. Mit diesem Betrag und zusätzlichen Mitteln, die die Diözese zur Verfügung gestellt hat, werden augenblicklich die besonders gefährdeten Deckengewölbe abgestützt und instandgesetzt Die Spezialfirma Schluhn aus Gangelt führt diese Arbeiten für ca. 18 000 DM aus.
Die Wiederherstellung des Gewölbes ist deshalb vordringlich, weil durch das Fehlen der Fenster Wind und Wetter ungehindert im Innern der Kirche ihr Zerstörungswerk fortsetzen konnten und eine große Gefahr dadurch entstanden war, daß durch Seitendruck in die Hohlräume eine Einsturzgefahr aufgekommen war, die nun durch die Gewölbearbeiten behoben wird.
In diesem Jahr sollen noch die Fenster die Kirche eingesetzt werden und zwar im historischen Maßwerk, dessen Ausführung zwar teuer ist, auf das aber im Interesse der normtreuen Wiederherstellung der alten gotischen Kirche nicht verzichtet werden kann. Erst dann kann mit den umfangreichen Innenarbeiten begonnen werden. Auch ihre Durchführung ist abhängig von dem Fließen der erforderlichen Mittel aus dem Denkmal- und Grenzlandfonds und dem Etat der Diözese Aachen.
Rektor Josef Budde befaßte sich auf der letzten
Stammtischrunde"
sehr anschaulich und eingehend mit den Altären der alten Pfarrkirche,
die - wie auch das ganze Bauwerk - der Nacht vom 1. zum 2. März 1945
durch Arie-Beschuß sehr gelitten haben. Die Altäre konnten leider
nur zum Teil gerettet werden und sollen bei der Instandsetzung des Gotteshauses
nach Möglichkeit wieder im alten Stil aufgebaut werden.
Der Hochaltar ist ein Barockholzaufbau aus dem Jahre 1767. Bei der Renovierung der Kirche im Jahre 1901 wurde eine Inschrift gefunden, die dieses Datum bestätigt. Zwischen je zwei Säulen in der mittleren Nische steht eine Holzfigur der Jungfrau. Maria. Ueber ihr schweben zwei Engel mit einer Krone.
Die Krönung des Ganzen bildet ein Baldachin, von dem Strahlen ausgehen. Dieser hat als Abschluß eine Krone. Unter dem Baldachin erscheint, von Engelsköpfen umgeben, Gott Vater mit Szepter und Weltkugel. Ueber den Seitentüren stehen die Holzfiguren des hl. Sebastian und des hl. Josef. Der hölzerne Mantel, der die. uralte Steinmensa des Hochaltars umschließt, ist bei der Renovierung der Kirche im Jahre 1710 angefertigt worden. Das Antependium vor der Mensa konnte gesichert werden, und befindet sich im Besitze der Gemeinde Lobberich. Es ist ein Geschenk der Grafen von Bocholtz; es wurde zuletzt auf der Lobbericher Jubiläumsausstellung im September 1954 gezeigt.
Der leider stark beschädigte Hochaltar ist nach seiner Beschädigung in viele Teile zerlegt woden. Im Kreise war er der einzige nachweisbare Altar mit Baldachinaufbau. Er war unter den im 19. Jahrhundert aufgebauten Barockaltären wohl noch der letzte mit Baldachinaufbau.
In der alten Kirche befinden sich ferner als Seitenaltäre der Marienaltar und der Antoniusaltar, dann noch sein Nebenaltar der hl. Anna. Die Figur der Anna Selbdritt ist unter dem Frauenturm in der Pfarrkirche St. Sebastian in Lobberich untergebracht.
Rektor Budde sprach dann über die beiden Grundformen des Barockaltars,
und zwar über den Baldachin- und den Retabel-Altar. Die erste Form fand
ihr für die ganze Periode verbindliches Vorbild, im Altar Berninis (1598
bis 1680) über der Konfessio von St. Peter in Rom. Sie wurde am Niederrhein
fast ausschließlich unter dem direkten Einfluß höfischer
Kunst (so in Brühl und Köln) ausgeprägt. Der Einfluß
der sich von Köln aus verbreitenden Kunstart ist beim Hochaltar der
alten Kirche als sicher anzusehen, weil die Pfarrer der alten Kirche salbe
von Kloster Knechsteden kamen und an der Kölner Universität studiert
hatten. Im Jahre 1767 als der Hochaltar gebaut wurde, war Franz Konstantin
Broich, gebürtig aus Köln, Pfarrer von Lobberich.
Die zweite Form, der Rietabel-Altar, setzte die Traditihn des Mittelalters fort und fand seine weithin befriedigende Auswirkung im flandrisch-Antwerpener Raum. Zu dieser Art gehört der wieder in neuerstandener Pracht hergerichtete Altar der Paterskirche zu Kempen..
Ein in der Stammtischrunde" rundgereichtes Bild veranschaulicht sehr
deutlich die Form und Gestalt des Hochaltars. Die GN konnten erfreulicherweise
aus ihrem Archiv eine Federzeichnung des verstorbenen Lobbericher Malers
Otto Therstappen abdrucken, die den Hochaltar und den Antoniusaltar recht
wirkungsvoll darstellt. Leider sind weitere ansprechende Bilder der Altäre
nicht vorhanden Rektor Budde bittet daher, noch vorhandenes Bildmaterial
vom Innern der alten Kirche der Stammtischrunde" zur Auswertung leihweise
zur Verfügung stellen zu wollen.
Abschiedsbesuch bei St. Sebastians Krippe
Motiv der Komposition: Ankunft und Anbetung der Könige
Die
Krippe in St. Sebastian ist immer noch modern genug, um damit eine
anziehende, künstlerisch-stimmungsvolle Wirkung zu erreichen. Diesen
Beweis liefert auch das diesjährige Gesamtbild. Der Komponist muß
freilich mit den einzelnen Teilen umzugehen wissen und sie auf eine bestimmte
Idee auszurichten sich bemühen. Das Bild ist einheitlicher gefaßt
ab früher. Da drängte sich die Darstellung von Bethlehem als
Hintergrund" allzu wuchtig auf. Als Sonderbild störte sie stark
die Stimmung der Krippe und des Vorgeländes. Die Stadt, jetzt durch
Grün abgedeckt, ist mehr in die Ferne gerückt und tritt nur in
wesentlichen Teilen hervor. Durch ein torartiges Beiwerk ist ihre Verbindung
mit Stall und Hirtenfeld hinreichend angedeutet. Mehr als Anbetung und Huldigung
der Könige selbst ist ihre Ankunft am Ziel betont. Man sieht, wie sie
sich dafür eigens fertig gemacht haben.
Die Aufmerksamkeit der Hirten
und ihrer Herde ist etwas von der Krippe abgelenkt und dem ankommenden Zuge
und seiner königlichen Pracht zugewandt. Unter den Schafen ist ein leichtes,
geheimnisvolles Durcheinander entstanden. Nur einige grasende stört
der seltsame Besuch nicht. Die übrigen blinzeln mehr oder weniger mit
fragendem Staunen auf den heiligen Zug. Zwei kleine lassen sich auch durch
den Kamelführer vor ihren Füßen nicht aus der Ruhe bringen.
Ein staunend und neugierig erhobener Blick genügt ihnen. Sogar dicht
vor der Krippe liegend müssen sich welche überzeugen, wer denn
da kommt. Ein junger Hirt vergißt sein Spiel. Sein kniender Kamerad
wagt einen Seitenblick zum königlichen Greis. Maria und Josef verharren,
ungestört in sich versunken, wie erlesene Gefäße der Hingabe
und Anbetung. Ein geheimnisvoll verhaltener Rhythmus geht durch das Gesamtbild.
Nur das Kamel fällt drastisch aus dem Rahmen heraus. Es zeigt seine
vollbepackte Flanke und wendet mit erhobenem Kopf den Blick eindringlich
zu den Besuchern: Da sind nun auch wir!"
So hat das Ganze mehrfach
eine etwas realistische Note. Am schönsten und andachtsvollsten ist
die Wirkung des Gesamtaufbaus bei nur seitlicher Scheinwerferbeleuchtung.
Dann kontrastiert das Licht um die Krippe wirkungs- und bedeutungsvoll zum
Dämmer des Hirtenfeldes, und die gebrochenen Eigenfarben, der Figuren
gehen weicher ineinander über; die Personen selbst kommen mehr zu ihrem
Recht. Und über dem Ganzen: welch 'eindringliche Mahnung aus dem Rund
des Fensters an die Betrachter: Auch ihr sollt mir Zeugen sein, wie Bethlehem,
die Hirten und Könige es waren!
Bevor wir wieder für ein Jahr von unserer Krippe scheiden, muß unseres Mitarbeiters, des Meisters Martin H. dankbar gedacht werden, der stetes hilfsbereit zur Verfügung steht, wenn er zu solchen Arbeiten gebeten wird. Dr. F.(enkes?)
Intensive Werbung jugendlicher Mitglieder
Kreissängertag 1956 in Lobberich
Zu der Bezirkstagung des Sängerkreises Linker Niederrhein im Kolpinghaus Lobberich konnte Bezirksvorsitzender Josef Hommes (Breyell) neben den zahlreichen Vertretern der Gesangvierte ine auch den Kreisvorsitzenden Lüttges (Krefeld) wie die Geschäftsführerin Frau Benninghoff (Willich) begrüßen. Nach einem Rückblick auf die Konzerte und Veranstaltungen der Bezirksvereine im vergangenen Jahr konnte der Vorsitzende bekanntgeben, daß auf seinen Antrag hin der Kreissängertag am 17. März, 16.15 Uhr, im großen Saal des Kolpinghauses in Lobberich genehmigt worden sei.
Kreisvorsitzender Lüttges gab die Veranstaltungen des kommenden Jahres bekannt, wobei: er auch auf das Bundesfest in Stuttgart hinwies. B3 steht bereits fest, daß eine Abordnung des MGV Hoffnung" Lobberich an diesem teilnehmen wird. Derselbe Verein hat zu seinem Konzert am 14. April den Baß-Solisten Kenneth Spencer verpflichtet. MGV Cäcilia" Schaag führt am 25. März (Palmsonntag) im Kolpinghaus Lobberich das Oratorium von Händel Der Messias" auf. Neu zum Sängerkreis Niederrhein kam der MGV Eintracht" Boisheim.
Vorsitzender Josef Hommes, der einstimmig ierneut für drei Jahre wiedergewählt wurde, empfahl noch die intensive Werbung jugendlicher Mitglieder, was nicht nur außerhalb des 'Vereins, sondern auch in diesem geschehen müsse. Vorbildlich sei hier die Haltung des Chorleiters Marx, der nach den Proben immer noch Zeit finde, sich gerade der Jugendlichen anzunehmen.
MGV Hoffnung" wieder im alten Vereinsheim
Auf dem am 16. Januar 1956 stattgefundenen Probeabend des MGV Hoffnung"
1863 wählten die Mitglieder für ihre weitere Vereinstätigkeit
die Gaststätte
Ewige Lampe" (Willi Kreuels) als Vereinslokal.
Der Verein fühle sich nach langen Ueberlegungen - so wurde uns vom Vorstand
der Hoffnung" erklärt - zu diesem Schritt gezwungen, da dem Verein
durch den Verkauf des Saales des bisherigen Vereinslokals, Hotel Dammer,
die Probemöglichkeit genommen worden sei.
Das Vereinsleben der "Hoffnung" als ältesten aktiven Lobbericher Gesangsvereins hat sich - nach den Aufzeichnungen des Chronisten - in den verschiedensten Lobbericher Gaststätten abgespielt.
Gegründet wurde der Verein bekanntlich in der alten Hasenkox'schen
Wirtschaft auf der Sassenfelder Straße (dort wo heute die Gaststätte
en et Broekske steht) doch wählte man damals die Wirtschaft
Rollbrocker (heute Doerkesstift in der Kempener Straße) zum 1.
Vereinslokal. Als die Gaststätte dort aufgehoben wurde, verlegte man
das Vereinslokal zur Wirtschaft Martin Brackelmanns am Markt und später
nach Johann Brackelmanns auf der
Kempener Straße. Eine langjährige
Heimstätte (1872-1885) fand der Verein bei Heinrich Zanders am Busch
(heute Möbelgeschäft Josten,
Süchtelner Straße).
Von 1885 bis zum Jahre 1945 hat der ere mit kurzer Unterbrechung (1929-1932,
Hotel Kessels -Bellenberg), also weit über 50 Jahre in der
Ewige
Lampe" gastiert. Im Jahre 1945 wählte man, das Hotel Straeten auf dem
Markt
als Vereinslokal, wo der Verein bis zur Vermietung des Lokals an das
Möbelgeschäft Hegholz im November 1953 blieb. Für die weitere
Vereinstätigkeit zog man dann in das
Hotel Dammer auf der Hochstraße
und nunmehr nach dem jüngsten Beschluß der Mitglieder wieder in
die
Ewige Lampe", wo inzwischen die Proheabende aufgenommen worden
sind.
Münzfund wurde geprüft
Die in der verflossenen Woche in Lobberich in der
Bruchstraße gefundenen
Münzen aus dem 17. und 19. Jahrhundert sind inzwischen geprüft
worden. Es handelt sich bei der Münze von 1650 um einen sogenannten
Alburs oder Weißpfennig, die im 17. und 18. Jahrhundert in Preußen
und Brabant in Kurs war. Auch die belgische Münze von 1830 mit der
Aufschrift Leopold Premier, Roi Des Belges'' ist eine Münze,
die nach 1815 in unserer Gegend als Zahlungsmittel galt. Damals kursierten
am linken Niederrhein auch spanisch-niederländische Münzen. Die
übrigen Münzen sind leider stark zersetzt.
Die Bleisiegelreste stammen unzweideutig von Urkunden her. Möglich ist,
daß im vorigen Jahrhundert die Siegel von Urkunden durch Jugendliche,
die ihren Wert nicht kannten abgeschnitten und zum Spielen benutzt wurden.
Auf diese Art und Weise ist nach Auffassung des
Rektors Josef Budde, der
sich eingehend mit Urkunden und Siegeln aus Lobberichs Vergangenheit befaßt
hat, manche wertvolle Urkunde verlorengegangen.
Ausgrabungen in der Alten Kirche
Rektor Budde teilte mit, daß Dr. Dr.
Albert Steegger, Burg Linn, wegen
Durchführung von Ausgrabungen in der Lobbericher
Alten Kirche mit dem
Provinzialkonservator Rücksprache genommen hat. Es liegt augenblicklich
eine Anfrage beim Landesmuseum vor, um die Ausgrabungsgenehmigung zu erwirken.
Erneuter Lobbericher Schachsieg
Der
Lobbericher Schachklub trug am vergangenen Sonntag sein 3.
Meisterschaftsspiel aus. Gegner war die zweite Mannschaft von St. Tönis.
Nach kurzer Begrüßungsansprache durch den Vorsitzenden des Lobbericher
Schachklubs setzte man sich in dem neu entstandenen Klubzimmer der
Gaststätte Dohmes an die Bretter. Mit welcher Entschlossenheit
gekämpft wurde, lassen so richtig die beiden Partien von Hintzen und
Lühken erkennen, die fast volle 5 Stunden dauerten.
Die Ergebnisse im einzelnen lauten, die Lobbericher zuerst genannt:
Kosman - Müller 1:0,
Kosman, der es zu Anfang sehr schwer hatte, setzte seinen Gegner nach
prachtvollen Kombinationszügen schließlich matt.
Hintzen Bienert 1:0,
Hintzen wollte dieses Mal nicht enttäuschen und kämpfte im wahrsten
Sinne des Wortes wie ein Löwe. Als nach fünfstündiger Spieldauer
die Partie praktisch unentschieden war, nahm Bienen das von Hintzen angebotene
Remis nicht an. Kurze Zeit darauf machte Bienert einen Fehlzug den Hintzen
sofort geschickt ausnutzte, so daß Bienen sich zur Aufgabe gezwungen
sah.
Jakobs - Meindl 1:0,
Jakobs gewann alsbald eine Qualität und hatte dadurch keine allzu
große Mühe mehr mit seinem Gegner.
Nelissen - Funken 1:0,
da Funken nicht antrat, kam Nelissen zu einem kampflosen Punkt.
Hubertz - Goos 0:1,
Hubertz, der am Vorsonntag den ersten Pluspunkt für Lobberich gebucht
hatte, mußte die Ueberlegenheit seines Gegners anerkennen und diesmal
als erster einen Minuspunkt für seine Mannschaft eintragen.
LühkenKitzen 0:1
Lühken hatte es mit einem Gegner zu tun, der ihn in seiner bekannten
Ruhe noch übertraf und das war ihm anscheinend doch zuviel. Vier Stunden
lang griff Lühken an und hatte bereits auch gute Vorteile, als er
plötzlich die Uebersicht verlor und eine Niederlage nicht mehr abwenden
konnte.
Kother - Nöbels 0:1,
Kother konnte die ständigen Angriffe von Nöbels nicht restlos abwehren
und mußte, sich geschlagen bekennen.
Baak - Richter 1:0,
durch schöne Kombinationsarbeit gewann Baak schließlich 2 Bauern,
wovon er einen zur Dame machen konnte, worauf sein Gegner die Waffen streckte.
Das Gesamtergebnis lautete 5:3 für Lobberich.